TSG Wieseck- JugendFörderzentrum
 

GPS-Tracking im Fußball


Ob Ballereignisse oder körperliche Fitness - der Fußball wird immer datengetriebener: Heute messen GPS-Tracking-Systeme die Bewegungsabläufe während des Spiels und liefern Informationen in Echtzeit über die Leistung jedes einzelnen Spielers. Die Technik verspricht einen tieferen Einblick in das Spiel und in die individuelle Leistung jedes Spielers. Eine Vielzahl von Variablen wird erfasst und in hinterlegten Datenbanken per Algorithmus miteinander in Beziehung gesetzt. Trainer ziehen daraus ihre Schlüsse für eine optimale Trainings- und Belastungssteuerung. Echte Vorteile bietet die Nutzung aber nur dann, wenn die Technik richtig angewendet und die Datenfülle sinnvoll interpretiert wird. Das ist das Ergebnis einer britischen Studie, die anhand ausgewählter Studien eine Übersicht über den aktuellen Forschungsstand verschafft und Potenziale sowie Grenzen des GPS-Trackings zur Unterstützung der Belastungssteuerung aufzeigt.


Welche Vorteile bieten die GPS-gestützten Daten für die Belastungssteuerung?

Die Datenaufzeichnung per GPS macht die Arbeit von Trainern und Betreuern effizienter: Sie hat die Leistungsanalyse eines Spielers im Vergleich zu klassischen Datenerfassungsmethoden in der täglichen Routine enorm beschleunigt und ist weniger personalintensiv. Trainer können entsprechend schneller reagieren. Dem gegenüber stehen die Fehlerquoten, die bei der Auslesung und Interpretation der gesammelten Daten entstehen [10]. Um sie klein zu halten, muss man wissen, wie das genutzte GPS-Tracking-System arbeitet, argumentiert die Studie. Das Problem: Die verschiedenen am Markt befindlichen GPS-Tracking-Systeme können eine Vielzahl von Parametern liefern. Welche aber das im Einzelnen sind und wie sie software-gestützt ausgewertet werden, variiert von Anbieter zu Anbieter. Zwar wird die Suche nach den richtigen Daten in der praktischen Anwendung immer ausgeklügelter. Doch allein die Fülle der Analysemöglichkeiten ist für Datenlaien erschlagend. Umso wichtiger ist es, dass sich Fitnesstrainer mit dem zuständigen Analysten darauf einigen, welche Parameter tatsächlich wichtig und relevant für ihre Bedürfnisse sind. 

Ein weiterer Punkt: Noch sind nicht alle verfügbaren Parameter, die das Datentracking liefert und die für die Belastungssteuerung interessant sein können, wissenschaftlich überprüft und ihre Aussagekraft bestätigt. Entscheidend ist deshalb, dass die genutzten Parameter richtig interpretiert werden. In der Praxis hat sich die GPS-gestützte Datenerfassung in folgenden Bereichen etabliert und bewährt:
 
Gesamte Laufdistanz. Forschungsergebnisse zeigen, dass das Leistungs- und Aktivitätsprofil eines Spielers entscheidend davon abhängt, auf welcher Position er spielt, wie alt er ist und wie die taktische Ausrichtung des Spielsystems ist. 

Geschwindigkeitszonen. Üblich ist eine Einteilung in fünf Zonen: Gehen (0-7 km/h), langsames Laufen (7-13 km/h), Laufen (13-18 km/h), schnelles Laufen (18-21 km/h), Sprinten (>21 km/h). Weil es dafür noch keine wissenschaftlich standardisierten Schwellenwerte gibt, legt die Forschung eine individuelle Bestimmung nahe. Für die individuelle Belastungsüberwachung hat sich die GPS-Technologie als hilfreich erwiesen. 

Auswirkungen von Aufprallkräften. GPS-Tracker mit integrierten triaxialen Geschwindigkeitssensoren liefern eine Reihe von zusätzlichen Parametern (z. B. Summe aller erfahren Kraftstöße (z. B. Landung nach Sprung) während der sportliche Aktivität), die einen tieferen Einblick in den Belastungszustand eines Spielers liefern und den Zusammenhang von Spielposition und spezifischem Trainingsbedarf besser ausleuchten. 

Spielsystem und Mannschaftsaufstellung. Die positionsspezifische Interpretation einer Grundordnung, hat einen maßgeblichen Einfluss auf das physische Anforderungsprofil der Spielposition und der taktischen Ausrichtung der gesamten Mannschaft. Zudem werden Spielsysteme im heutigen Fußball auch während des Wettkamps geändert, in deren Folge der Gegner seinerseits mit taktischen Anpassungen reagieren kann. 

Positionsspezifische Anforderungen. Die GPS-Technik unterstützt dabei, das individuelle Leistungsprofil einer Spielposition zu definieren. 

Überwachung des wöchentlichen Belastungsvolumens. Mithilfe der GPS-gestützten Daten lässt sich die wöchentliche Belastung insbesondere während eines engen Wettkampkalenders noch präziser erfassen und das individuell notwendige Trainingsvolumen über die Woche gezielter bestimmen – spielvorbereitend, nach einem Wettkampf und zwischen den Spieltagen. So lässt sich zum Beispiel auch die Spielbereitschaft von Spielern, die an Wettkampftagen nicht zum Einsatz gekommen sind, über die Woche hinweg besser aufrechterhalten. 

Regenerationsmanagement. Die vorliegende Studienlage und Praxiserfahrung zeigt, dass die Einbindung von zusätzlichen elektromyografischen Sensoren (zum Beispiel Herzfrequenz-Monitoring) in die tragbaren Datentracker die Leistungsdiagnostik verfeinern und die Belastungsanalyse mit tiefergehenden Daten qualitativ verbessern kann. 

Minderung des Verletzungsrisikos. Noch ist das volle Potenzial des Zusammenspiels von GPS-gestützten Daten mit den klassischen medizinisch-physischen Daten nach einer Verletzung nicht vollständig untersucht. Die Verbindung von GPS-Tracking mit der Videoanalyse könnte helfen, um die Abläufe, die zu einer Verletzung führen, besser zu verstehen. Auch hier verspricht die Nutzung zusätzlicher Sensoren ein ganzheitlicheres Bild, um Leistungs- und Belastungsgrenzen besser zu erfassen.